Montag, 22. August 2016

Funkbetrieb aus Helgoland

Norddeutscher Höhentag - auf Helgoland

Es war unser letzter Urlaubssonntag. Schon im letzten Jahr hatte ich mit einem Funkfreund beim "Norddeutschen Höhentag" mitgemacht. Kurzes Video von 2015
In Analogie zum "Bayerischen Bergtag" haben sich norddeutsche Funkamateure augenzwinkernd (?) die Norddeutschen Höhen ins Visier genommen. Für drei Stunden begibt man sich mit einer das Gewicht von 6 oder 7kg nicht überschreitenden Funkanlage (inklusive Akku und Antenne) auf eine Anhöhe und versucht, so weit wie möglich zu funken. Jeder Kilometer zählt einen  -  oder bei Verbindungen zu portablen oder mobilen Stationen zwei Punkte.

Im Internet recherchierte ich die Anhöhen rund um Hamburg. 
Der Bungsberg - mit 167 Metern war mir zu weit weg. So nahm ich weitere Alternativen ins Visier. Ich wollte möglichst mit dem Fahrrad fahren. Blankenese hat neben dem durch Fahrradrennen berühmten Waseberg auch noch den etwas höheren Baursberg, auf dessen Gipfel ein Wasserwerk steht. Möchte ich dort drei Stunden lang funken?

Ich suchte weiter.

Als Mitglied des Amateurfunk-Clubs DARC und seinem Ortsverband Pinneberg fiel mir der "Pinneberg" auf. Die höchste Erhebung des Kreises, der im Norden an Hamburg anschließt befindet sich auf der Nord- und Hochseeinsel Helgoland. 61,3 Meter über dem Meer. Ein Sportlerstammtisch in Itzehoe hatte vor einigen Jahren die Idee, den "Berg" mit einem entsprechenden Gipfelkreuz auszustatten. Pinneberg/Helgoland

Die ursprünglich geplante Anreise per Fahrrad wurde jetzt schwierig. Die Recherche ging weiter - zwei Tage vor dem Termin. Zug nach Cuxhaven - Schiff nach Helgoland - Übernachtung dort - der Wettbewerb endet um 17:00 Uhr Ortszeit. Das letzte Schiff fuhr aber schon um 16:15 Uhr.

Eine technische Hürde gab es noch: Ich hatte keine Antenne für das 2m-Band. Im letzten Jahr hatte Funkfreund Hartmut eine aus Draht bestehende leichte Doppelquad gebaut und genutzt. Das nahm ich jetzt auch - einen Tag vor dem Termin - in Angriff. Dank an DL1DLF für den guten Tipp: Amateurfunk-Portabel-Antennen
Ein paar Teile im Baumarkt besorgt, ging ich frisch ans Werk. Etwas kniffelig war die Verbindung der Anschlussdose an die GFK-Rute und der Anschluss des Antennenkabels. Ich fand für beides eine Lösung, die aber noch optimiert werden kann.

etwas zu groß für unsere Zwecke
Meine Liebste war sofort bereit, gemeinsam mit mir auf die Insel zu fahren. Die Kinder hatten keine Lust. 

Sonntagmorgen ging es los. Der Himmel noch bedeckt. Das einzige kleine Regengebiet durchfuhren wir kurz hinter Cuxhaven auf See. 
Helgoland begrüßte uns im schönsten Sonnenschein.

Wir wählten in unserer Ortsunkenntnis den denkbar kompliziertesten Kletterpfad auf das Oberland und wurden mit atemberaubenden Bildern entschädigt.




Nun galt es einen von allzu großen Touristenströmen verschonten Standort zu finden. Nachdem wir den Gipfel des Pinnebergs gefunden hatten, fanden wir auf einem Trampelpfad wenige Meter vom Gipfel entfernt, am Fuße des Pinnebergs den passenden Standort.
Die Antenne wurde zusammengebaut, an das Funkgerät angeschlossen. Eine knappe Stunde vor Wettbewerbs-Start war dafür ausreichend Zeit. Anne assistierte in großer Ruhe. Später hielt sie den Mast und damit den Funkbetrieb aufrecht und dokumentierte alles mit der Kamera des Mobiltelefons.





Kurz nach 14 Uhr Ortszeit sendete ich als DL9EBG/p den ersten allgemeinen Anruf in den Äther. "CQ Norddeutscher Höhentag von DL9EBG auf der Nordseeinsel Helgoland - bitte kommen!" Unzählige Male hörte ich mich diese Worte wiederholen. Da ich sonst fast nur CW mache, also mit Morsetelegraphie arbeite, habe ich fast vergessen, wie anstrengend das Rufen mit der eigenen Stimme sein kann....

Erst einmal war nichts zu hören. 

Ich drehte über das Band und hörte sehr sehr leise Signale von anderen Kontest-Teilnehmern. 
War die Wahl von Helgoland als Standort doch nicht so eine gute Idee?

Aber nach 15 (langen) Minuten klappte die erste Verbindung nach Itzehoe. Wie schön. War es doch eine Gruppe aus Itzehoe, die dem Pinneberg seinen Namen gab. Das gute Signal über die 111km lag überwiegend an der 12m langen drehbaren Antenne und der großen Sendeleistung meiner Gegenstation. Die erste Verbindung war im Logbuch!

Nach einer Verbindung über 158 km in die Harburger Berge erreichte ich den Koordinator des Kontestes, Wolfgang DL4LE. Das war sehr nett! Distanz 168 km!

CQ Norddeutscher Höhentag

Anne ablösen - Mast selber halten

Volle Länge für beste Verbindungen
/p auf dem Pinneberg



Plötzlich auf der SSB-Anruffrequenz: DK7BB ruft in CW. Lutz in Abens traute sich mit kleiner Vertikalantenne nur die Morsevariante zu. Das war eine gute Entscheidung. Da er anschließend im eigenen Ortsverband I02 Werbung für den Norddeutschen Höhentag machte, konnte ich noch weitere Funkamateure aus Wittmund und Umgebung in mein Logbuch schreiben.
Danach gelang uns die weiteste Verbindung bis ins Siebengebirge südlich von Bonn. 407km. Das Münsterland war zweimal zu hören: Ibbenbüren und Nottuln. Oliver in Nottuln benutzte die gleiche Anlage. Auch ein FT 817 mit 5 Watt und eine Doppelquad aus Draht.
Auch oder gerade mit einfacher Ausrüstung, kleiner Leistung und selbst gebauten Antennen macht Amateurfunk Spaß.
Vielen Dank an Wolfgang und alle Teilnehmer dieses besonderen, kleinen Kontests.


Manuel, DL9EBG
Hamburg


Funkbetrieb mit Sonnenbrand in allerschönster Landschaft